Sonntag, 3. Mai 2015

Brief an König Otto von Weinhengst

Eure Majestät König Otto von Weinhengst,
 
ich nehme mir die Freiheit Ihnen zu schreiben, um Ihnen über die Schönheit und Größe der Prager Burg zu berichten. Es regierten vom 11. bis zum 16. Jahrhundert die Herrscher Böhmens auf dem Hradschin. 7,28 ha Grund haben Ihre Vorfahren verbaut und sich ein Denkmal gesetzt. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt, der Nabel des Landes und das seit einst und jetzt. Tausend Jahre Geschichte treffen auf Millionen von Besucher, besonders gut auf der Karlbrücke zu sehen. Paläste, Kirchen, Museen und Klöster füllen das gesamte Areal. Die Prager Burg war das Symbol weltlicher und geistiger Macht. Die Tschechen blicken auf die Burg, entschuldigt meine Offenheit, mit Angst und Verachtung, aber auch mit Stolz und Anerkennung.
 

Der Präsident des Landes empfängt Eure Majestät sicherlich mit Freuden in den prunkvollen Räumlichkeiten. Es wurde mir berichtet, dass die Ahnen Eurer Majestät in einer feierlichen Prozession den Královská cesta zu Ihrer Krönung im Sankt-Veits-Dom abschreiten mussten um die Stadt kennen zu lernen.


Ich nütze meinen Brief um Euch zu danken, dass Eure Majestät mir Herrn Consul de la Salsa als Reisebegleitung mitgesandt habt. Es war mir seine Gesellschaft angenehm. Er erfüllte seine Aufgabe mit ganzem Einsatz und hat auf den Marathon-Lauf mit nur wenig Wehmut verzichtet.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Baroness Flonie
 

Samstag, 2. Mai 2015

Brief an meinen Liebsten

Mein Liebster!
 
Heute ist mein Geburtstag und ich freue mich sehr dein Geschenk „Prag“ genießen und erleben zu können.
Mein letzter Besuch liegt über zwei Jahrzehnte zurück, meine Erinnerung an diese wunderbare Stadt liegt am Friedhof vergraben. Ich habe einen unermüdlichen Wissensdurst entwickelt in den letzten Jahren.
 
Meine schlanken Kenntnisse der Architektur bringen mich zum Entschluss dass der Jugendstil in Wien bei weitem verspielter, lieblicher, funktionaler und auch schlichter gestaltet wurde als hier.
 

Der Gang über die Karlsbrücke glich einem Ertrinken in den Strudeln der Moldau. Liebster, die Menschenmassen haben mich auf einen Turm flüchten lassen. Die Beobachtung aus der Perspektive eines fliegenden Vogels hat mir Freude gemacht und mir wieder Mut gegeben um mich der Herausforderung zu stellen. Ich stieg hinab und tauchte in den Menschenfluss ein, der mich zum gegenüberliegenden Ufer der Moldau sog.


Liebster sag mir, gibt es in Wien auch so viele Touristen.
Musik liegt in der Luft. Es fällt mir auf, dass es hier viele Jazz-Clubs und Lokale mit Live-Auftritten gibt. Könnte das bedeuten, dass die Prager Gesellschaft Musik liebt, lebt und fördert?

Ich möchte gerne eine Erinnerung aus Prag mitnehmen und bin auf der Suche nach einer ausgefallenen Böhmischen Glaskunst. Leider hat mich noch keine Glasskulptur zum Kauf animiert. Einen Tag habe ich noch.

Mein Liebster ich schließe meine Zeilen, der Schlaf ist bereit mich abzuholen.
Ich umarme dich.
Dein Geburtstagskind

Freitag, 1. Mai 2015

ein Brief an meine Oma

Liebe Oma!

Ich bin mir sicher, dass du im Reich des Jenseits erfahren hast, dass ich in den letzten Stunden unaufhörlich an dich denke.

Mein heutiges Frühstück im Grand Hotel Praha konnte ich mich mehr als satt essen. Die Eier, das Brot, Käse und Gemüse habe ich mit großen Appetit und dem einzigartigen Blick auf den Turm des Altstädter Rathauses genossen. Die Süßigkeiten des Buffets sahen mir trocken und geschmacklos aus. Ein Stück Zwetschkenkuchen fand wie aus Zauberei auf einen Teller und den Weg zu meinem Tisch. Zum Vorsatz aus Gründen der Kalorienmenge wollte ich nur die Hälfte verzehren. Meine erste Berührung mit dem Kuchen ließ mich sofort ein Kind werden. Du standest vor mir und sagtest: „Du musst essen um groß und stark zu werden.“ Im Gaumen sangen die säuerlichen Zwetschken mit dem süßen Teig ein Liebesduett. Der Abschluss des guten Geschmacks lässt mich den Stadtspaziergang mit Zufriedenheit beginnen.

Der Strom aus Menschen schwemmt mich durch Josefov. Einst war hier das jüdische Zentrum. Dieses Volk war mal gehasst, mal toleriert aber nie geliebt. Kaiser Joseph II ließ die Ghetto-Mauern abreißen, die Kleidervorschrift aufheben und die Glaubensfreiheit gewähren. Zum Dank benannten die Juden dieses Viertel nach ihm.

Dem Palais der lieben Bertha statte ich einen Kurzbesuch ab. Ich staunte über die Größe. Es ist sehr schade, dass die Kindheit der späteren Bertha von Suttner keine angenehmen Seiten zeigte. Der Adel dieser Zeit bewahrte das Wort „standesgemäß“ wie ein Heiligtum.
  
Ein kopfloser Mann trägt auf den schultern Franz Kafka. Ob der liebe Franz seine Darstellung gemocht hätte steht auf einem anderen Blatt. Das Geburtshaus von Kafka zeigt schwere Vernachlässigungen am gesamten Gebäude. Ich bekomme den Eindruck vermittelt, dass Prag sich diesen Namen gerne zu nutze macht. 
Am Nachmittag gesellte sich zum Regen auch noch die Kälte. Hoffentlich verstehen sich die beiden nicht noch länger. Ich entschloss mich zu einem Abendessen in einem typischen Prager Bierlokal. In Tschechien wird dem Fleisch mit deftiger Zubereitung viel Raum in der Speisekarte gegeben. Ich bestellte mir einen Lachs mit gegrilltem Gemüse und wurde nicht enttäuscht

Den Tagesausklang genoss ich mit ein paar Cocktails in einer kubanischen Bar.


Ich denke an dich
deine Enkelin


P.S. Habe heute Tredelnik gekostet. Köstlich.